TRANSIENCE: painting after Scriabin and Vine

24. Mai 2019 - 24. Mai 2019 | Marianischer Saal | Luzern
Veränderung traditioneller Kunstvektoren: ein klassisches Konzert in dem das Publikum eine Malerin bei ihrer projizierten Arbeit beobachten kann
Haben Sie beim Hören von Musik jemals beobachtet, wie Ihre visuelle Vorstellung dem Hörerlebnis entsprach? Vielleicht hat fast jeder Mensch etwas in seinem Kopf "gesehen", als er musikalische Klänge jeglicher Art, Stil, Genre und Instrumentierung hörte. Der Grund dafür ist, dass unsere Sinne oft sehr viel stärker miteinander verbunden sind, als es scheint. Wir neigen dazu, mit mehreren von ihnen zu antworten, wenn nur einer davon betroffen ist. Wenn man beispielsweise ein Musikstück hört, kann dies Erinnerungen wachrufen, die eigenen Träume und sogar nicht zusammenhängende Handlungslinien als lebendige "Filme" visualisieren (ohne zufällige, inkonstante Ideen zu erwähnen). Manche Menschen haben die Fähigkeit, mit musikalischen Klängen verbundene Farben zu sehen (Synästhesie): in diesem Fall sind sie entweder von Natur aus synästhetisch (die Beziehung geschieht von alleine) oder genau das Gegenteil, das heißt, sie verwenden ein durchdachtes und komplexes Relativitätssystem zwischen Musiktönen und Farbnuancen.Alexander Skrjabin (1872-1915) gehörte zur letzteren Gruppe: Obwohl viele glauben, er sei von Natur aus synästhetisch gewesen, gibt es Studien, die eindeutig eine detaillierte wissenschaftliche Herangehensweise an das Konzept zeigen. Er hat sich sein ganzes Leben lang als interdisziplinärer Komponist entwickelt. In "Prometheus, die Dichtung vom Feuer", op. 60, notierte er sogar eine Rolle für verschiedenfarbige Lichter in der Orchesterpartitur und plante dies auch für das unvollendete "Mysterium". In seinen frühen Werken war er jedoch noch nicht so konkret: Dies stellt das Team der Intertwining Arts vor eine besondere Herausforderung, ein Crossover-Projekt zu erschaffen. Unsere Idee ist es, die 24 Präludien op. 11 (1888-1896) aufzuführen und dabei gleichzeitig eine Künstlerin ein Bild auf der Bühne erschaffen zu lassen. Dies wird auf eine Leinwand projiziert, damit das Publikum den gesamten Prozess mitverfolgen kann. Die Präludien werden das Publikum während der ersten Hälfte des Konzertes auf eine Reise durch verschiedene Eindrücke, Gefühle und Emotionen nehmen: oftmals plötzlich wechselnd und vorübergehend. Durch die Präludien wird sich die visuelle Performance entwickeln und während der Dritten Klaviersonate von Carl Vine, einem zeitgenössischen australischen Komponisten (geb. 1964), völlig aufblühen. Die Sonate ist natürlich ein Stück eines anderen Umfangs: ein beinahe durchkomponiertes, grosses Werk. Jeder Satz folgt unmittelbar dem vorherigen [attaca] und ist durch wiederkehrende Motive und Harmonien mit den anderen verbunden. Die Sonate bietet noch viel zu erforschendes Material: Sie wurde 2007 komponiert und wird zu Unrecht selten gespielt.Viele musikalische und visuelle Werke, selbst jene, die sich auf den kreativen Prozess selbst konzentrieren, werden oft als bereits fertiggestellte, komplette Produkte präsentiert, wobei die Vorstellungskraft des Publikums maßgeblich ist. Daher ist es für das Intertwining Arts-Team äußerst wichtig, das Element der Live-Kreation auf die Bühne zu bringen (womöglich auf eine theatralische Weise) und auch die Zufälligkeit der Kunst zu thematisieren. Der Schwerpunkt auf den Moment des Zufalls und der Entstehung würde es den mystischen interdisziplinären Ideen von Skrjabin ermöglichen, in unserer heutigen Welt realer zu werden, während sich die Arbeit von Carl Vine auf völlig neue und unvorhersehbare Weise entlarven kann.Die Untersuchung der Verbindung von Klang und Farbe hat kein Ende: Der Einfluss der Verbindung auf den psychischen Zustand und die Reflexion des Menschen, die Vertiefung in das Konzept der abstrakten Kunst, die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Kunstgattungen sowie zwischen den Künstlern selbst (während der gleichzeitigen Kreation), sind nur einige Gedanken, um neue kreative Ressourcen zu aktivieren und unser Potenzial voll auszuschöpfen... All dies sind entscheidende Themen für unser nie endendes künstlerisches Schaffen und die Suche nach Bedeutung und Antworten, warum wir unsere Kunst machen.
Veranstalter: Elina Akselrud
Eintrittspreis: CHF 25.- Erwachsene, CHF 10.- Studierende
Link zur Veranstaltung: https://www.youtube.com/watch?v=XmSLhw3Jkxc
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